Fazit

Mit der Teilnahme an einer Abenteuer-Rallye haben wir uns einen Wunsch erfüllt. Die Anmeldung im November 2015 zum Baltic Sea Circle 2016 war der Grundstein dazu. Mit ca. 200 engagierten Teams gingen wir diese Herausforderung am 18. Juni 2016 ab Hamburg an. Doch zuvor galt es Spenden für die Charity-Projekte zu sammeln und Sponsoren zu finden – ein spannendes Projekt!
Für die Unterstützung von vielen Seiten bedanken wir uns!

Die Rallye war genauso schön wie anstrengend, denn die vielen Kilometer und zu erfüllenden Aufgaben raubten viel Zeit und wir wollten natürlich auch viel sehen unterwegs, so dass wir zum Ende hin recht müde waren. Entgegen den Befürchtungen, in einem offenen Zweisitzer, tausende von Kilometern am Stück abzuspulen, bekamen wir weder Kreuzschmerzen noch andere Beschwerden. Überall, wo wir mit dem „Expeditions-Roadster“ vorfuhren, stießen wir auf Sympathie, wobei wir uns oft fragten, ob wir aus Freude oder Mitleid angelächelt wurden. Zumindest wurde das Auto sehr häufig fotografiert.
Gern hätten wir an besonders schönen Orten mehr Zeit verbracht. Die gewonnenen Anreize sollen in späteren Urlauben vertieft werden. Die unzähligen Begegnungen mit Menschen und die tollen Eindrücke, die diese Veranstaltung einfach mit sich bringt, sowie die Fahrt durch abwechslungsreiche und teils atemberaubende Natur, werden uns immer in Erinnerung bleiben. Da wir als Gewinner nun fast gezwungen sind, irgendwann an einer weiteren Rallye teilzunehmen, freuen wir uns darauf, bekannte Gesichter wieder zu sehen. Das Abenteuer wird also weitergehen…

Zahlen und Fakten:

Rallye-Kilometer: 8862
zzgl. An- und Abreise: 550 km
Kraftstoff: 729 Liter bei 30 Tankstopps
Durchschnittsverbrauch: 7,75 Liter

Schäden und Defekte: 2 x Standlichtglühlampe und das Kassettendeck

Road kills: leider ein Vögelchen und gefühlt Millionen von Mücken

Zeltübernachtungen: 12 von 15 Nächten

Gesamtpunktzahl: 1048 von möglichen 1470

Spendenkonto: 2.014 €

Unser Track:Track

16. Tag: Insel Rügen – Zieleinlauf Hamburg

Tageskilometer: 354                 Kilometer ab Start: 8862

Wetter: erst heiter, später Regen in Hamburg und im Ziel wieder sonnig

Nach dem Ziegenfoto am Morgen, fuhren wir zum Reiterhof. Was in Norwegen nicht geklappt hatte, konnte nun realisiert werden: Lass dein Auto von einem Pferd ziehen! Das war noch relativ einfach, jedoch die zweite Pferdeaufgabe war dann schon skurriler. Setze ein Teammitglied, verkleidet als Pippi Langstrumpf mit einem Affen auf der Schulter auf ein Pferd. Die Utensilien, ein Plüschaffe und ein Knäuel rote Wolle für die Haare, hatten wir bereits auf den Lofoten erworben. Rote Kniestrümpfe ließen sich auch noch auftreiben. Diese Fotos wurden dann ebenfalls ausgedruckt. Da wir schon sehr spät dran waren, um zwischen 16.00 und 17.00 Uhr in Hamburg über die Ziellinie zu fahren, wurde das Roadbook während der Fahrt vervollständigt, um es gleich nach Zieldurchgang zur Auswertung abzugeben. Ebenfalls eine Sonderaufgabe war: Bringe dein Team oder Auto in eine Zeitung oder ins TV! Passend zu unserem Zeitungsartikel in der Ostsee-Zeitung vom 23. Juni mit dem Titel „Ne Schraube locker und Spaß dabei!“, klebten wir eine große Schraube neben den Artikel ins Roadbook. Einige andere Teams, wie auch unsere Freunde mit den Feuerwehrautos, wurden auf der A20 überholt. Kurz hinter Lübeck gerieten wir noch in einen langen Baustellenstau, der aber besser als erwartet passiert wurde. In Hamburg verdichtete sich dann die Anzahl der anderen Rallyeteilnehmer, da ja alle das gleiche Ziel hatten. Kurz vorm Ziel stoppten wir nochmals, um den Sessel aufzublasen. Schließlich sollte das letzte Tauschobjekt präsentiert werden. Mit Ziegenmaske, Sessel, roten Zöpfen und Putin-Kalender in der Hand ging es um 16.53 Uhr durchs Zieltor. Moderator „Maschine“ begrüßte alle Teams, von denen bereits sehr viele vor Ort waren. Wir wurden von zwei Freundinnen empfangen mit denen wir dann erst mal etwas essen gingen. Die offizielle Auswertung und Zielparty stand im Anschluss in der Ratsherren-Brauerei auf dem Programm. Nun konnten die Roadbooks wieder abgeholt werden, wobei unseres nicht auslag. Was hatte das zu bedeuten? Sina von den Matjes-Mädels meinte, das könnte ein gutes Zeichen sein. Wofür? „Maschine“ begann mit der Auswertung. Zunächst wurden die Sonderpreise verkündet z. B. für den besten „Wild Camper“, den die Matjes-Mädels erhielten. Ein großes Dankeschön erhielten die Jungs vom Werkstattteam aus Bayern, die mit ihrem Einsatz und vielen Umwegen, etlichen Teams das Weiterkommen ermöglicht haben. Nun ging es an die Verkündung der Rallye-Gewinner, obwohl ja alle, die in Hamburg ankamen, Sieger sind. Oli entdeckte im Stapel der übrig gebliebenen Roadbooks die Schraube und es wurde mit knapp über tausend Punkten Team Avilius auf Platz drei ausgerufen. Mit Gintourismo auf Platz zwei war uns nun plötzlich klar: Die nächsten sind wir! Dann wurden wir nach vorne gerufen und bekamen den „Goldenen Kanister“ als Pokal für den Sieger. Wir hatten zwar gut Punkte gesammelt, aber damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Umso größer waren Überraschung und Freude. Die vielen Glückwünsche der anderen Teams erfreuten uns sehr! Die Party jedoch konnten wir gar nicht auskosten, da wir noch unbedingt nach Stralsund zurück mussten. Die letzte Herausforderung war es nun, den goldenen Kanister im Auto unterzubringen. Als Sieger genießen wir nun lebenslanges Startrecht für die Rallye Baltic Sea Circle und Startrecht einer weiteren SAC-Rallye unserer Wahl. Und somit endet das Abenteuer für uns nicht an dieser Stelle.

15. Tag: Danzig (Polen) – Insel Rügen

Tageskilometer: 724                 Kilometer ab Start: 8508

Wetter: erst warm und sonnig, später Wolkenbruch

Beim ersten Blick aus dem Zelt grüßten uns ein paar Feldarbeiter, denn der Platz, den wir im Dunkeln für gut befanden, grenzte direkt an ein Erdbeerfeld. Wir bauten ab und versuchten die Hauptstraße nach Danzig wieder zu finden. Der Verkehr nahm zu und die Altstadt war schnell gefunden. Der Mazda wurde gleich in Hafennähe in einer Seitenstraße kreativ geparkt, da wir keine Sloty für die Parkautomaten hatten. Wie der Zufall es will, ist an diesem Wochenende die „Baltic Sail Gdansk“ mit etlichen Traditionsschiffen, so dass wir uns nach einem kleinen Hafenrundgang ein niedliches Frühstücksrestaurant an der Kaikante gesucht haben. Danzig ist immer wieder ein Besuch wert. Mit dem Ziel, auch in Sopot noch mal anzuhalten fuhren wir weiter. Leider fuhren wir einmal im Kreis und befanden uns wieder vor der Stadt. Der zweite Anlauf klappte dann viel besser. Dummerweise schien ganz Danzig heute bei diesem Traumwetter nach Sopot und auf die Halbinsel Hel zu wollen. Wir verloren über eine Stunde und entschieden uns, nicht in Sopot auszusteigen. Der Stau bis zum Abzweig nach Hel hatte es in sich und ab da hieß unser nächstes Ziel Szczecin. Ab jetzt kamen wir relativ zügig voran, denn wir hatten noch zwei Termine. Am Abend wurden wir auf Rügen erwartet, um an der Hochzeitsfeier von Marcus & Sandra teilzunehmen. Dies hatten wir im Vorfeld versprochen. Da mal wieder eine Dusche fällig war, entscheiden wir in Szczecin auf einem Campingplatz einen Zwischenstopp einzulegen. Der Rezeptionist ließ uns auf unsere Bitte hin die Duschen benutzen. Der Hinweis auf die Teilnahme an einer Charity-Rallye beeindruckte ihn wohl wenig, denn er wollte danach trotzdem fünf Euro von uns. Bei einer Freundin in Szczecin tauschten wir ein letztes Mal. Aus der Tüte Kaffee wurden ein Lebkuchenherz mit „I love Szczecin“, eine Weltkarte zum Freirubbeln der bereisten Länder und ein riesiger, blauer, aufblasbarer Sessel. Der MX-5 wurde noch einmal vollgetankt und wir fuhren Richtung Götemitz auf Rügen zur Hochzeitsfeier. In einem Supermarkt brachten wir dann noch die leeren Pfandflaschen zurück, die wir seit der ersten Party in Norwegen im Kofferraum mitschleppten und kauften von dem Geld eine Flasche Schaumwein für 1,99 Euro, wie es im Roadbook aufgetragen ist. Auf dem Weg konnten in Wüstenfelde auf dem Reiterhof Kadow neben Schulzings Landhaus zwei weitere Sonderaufgaben mit Pferden organisiert werden. Bei Budwig-Immobilien in Stralsund konnten wir die Beweisfotos drucken, die anschließend ins Roadbook geklebt werden sollten. Dann zogen wir uns noch angemessene Kleidung für die Feier an. In Götemitz etwas verspätet angekommen, folgte das obligatorische Foto mit dem Brautpaar. Der Gastwirt schaute uns etwas komisch an, als wir fragten, ob es ein Problem sei, wenn wir auf dem Feld nebenan das Zelt aufbauen würden. Von unserem Freund und ebenfalls Hochzeitsgast Zottel wurde eine Ziegenmaske gebastelt, denn diese Sonderaufgabe fehlte uns auch noch: Lass eine Ziege dein Auto fahren! Dann ergab sich ein großer Zufall. Andere Gäste erfuhren davon und organisierten kurzfristig einen Fototermin mit einer richtigen Ziege für den nächsten Morgen. Jetzt gehörte der Abend wieder allein dem Brautpaar.

14. Tag: Riga (Lettland) – Litauen – Kaliningrad – Danzig (Polen)

Tageskilometer: 602                 Kilometer ab Start: 7784

Wetter: heiß und ausreichend für einen leichten Sonnenbrand

Der Regen hatte in den frühen Morgenstunden aufgehört und wir machten uns recht zeitig auf den Weg zur Litauischen Grenze, um danach gleich die Tagesaufgabe zu erfüllen. In der Nähe von Schaulen gibt es den berühmten Berg der Kreuze. Die Aufgabe bestand darin, das Team beim Aufstellen eines selbst gebastelten Kreuzes zu fotografieren. Oli hatte sich schon vorbereitet und zwei Kleiderbügel zerlegt. Aus diesen beiden Stöckchen wurde mit Tape und Kabelbinder ein kleines Kreuz. Eine kleine Inschrift gab es dann auch noch und nun musste nur noch ein Platz gefunden werden. Kurzer Blick auf die Aufstellregularien sagte uns, dass wir unterhalb der max. Größe von bis zu drei Metern waren. Hunderttausende Kreuze aller Größen, Materialien, aufwendig gestaltete und einfache stehen hier rum. Andere Teams kamen zur gleichen Zeit an, schienen aber weniger gut vorbereitet zu sein. Unsere vorherigen Überlegungen, bezüglich der weiteren Streckenführung, brachten uns wieder weg von der Haupstraße Richtung Klaipeda, da wir uns entschlossen hatten, über die Kurische Nehrung nach Kaliningrad einzureisen. In einem kleinen hübschen Ort aßen wir dann erstmal Frühstück aus dem Kofferraum. Da unser Auto nach der gestrigen Offroadpassage ziemlich dreckig aussah, steuerten wir zum zweiten Mal auf der Tour eine Waschanlage an. Auch Klaipeda hat sehr hübsche Ecken und nachdem wir den kleinen Rundgang beendet hatten, wollten wir auch gleich den Tausch der Sonnenbrille in einen anderen Gegenstand erledigen. Dies brachen wir nach dem dritten Versuch ab, da von den angesprochenen Damen und Herren niemand etwas tauschbares dabei hatte. Die Fähre auf die Kurische Nehrung brauchte später nur wenige Minuten. Hier hätten wir uns gern mehr Zeit genommen, beließen es jedoch bei einem kurzen Strandbesuch, um in das klare Wasser der Ostsee zu springen. Begeistert von dem schönen Strand und wieder mit Zeitdruck im Nacken trafen wir aber noch Morta mit ihrem zum Café-Mobil umgebauten Smart auf dem Parkplatz, kauften zwei Cappuccino und waren kurz danach die Sonnenbrille los und konnten eine Tüte Kaffee im Kofferraum verstauen. Wenige Minuten später standen wir bei herrlichstem Sonnenschein inmitten von anderen Teams, um auf die Abfertigung an der Grenze nach Kaliningrad und damit unserer zweiten Einreise nach Russland zu warten. Während dieser Zeit sahen wir ca. 30 andere Teilnehmer, die den Grenzbeamten dadurch keinen ruhigen Nachmittag bescherten. Etwas konfus empfanden wir die Abwicklung, da man zu verschiedensten Hütten gehen musste, aber erst nach Aufforderung. Wer sich verschrieben oder zu viel auf das Formular gepinselt hatte, durfte dies noch mal tun. Vermutlich eins der kleinen Machtspielchen, die das Leben eines Grenzbeamten spannender machen sollen. Nach gut zwei Stunden fuhren wir dann weiter über die Kurische Nehrung auf russischer Seite, die entgegen der sehr gepflegten Straßen und Orte auf litauischer Seite für uns wieder typisch russisch aussahen. Kurz hinter Zelenogradsk sprang plötzlich ein Polizist mit erhobenem weiß-schwarzen Stab auf die Straße und winkte uns neben die Piste. Er wirkte recht freundlich, kontrollierte Führerschein und Fahrzeugpapiere und zeigte Oli dann an der Radarpistole das Vergehen. Mit einem Lächeln und einem Spruch, den wir als „Gute Reise!“ interpretierten, gab er die Papiere zurück und beließ es dabei. Die drei Stundenkilometer Überschreitung empfand er wohl selbst auch als lächerlich. Glück gehabt! In Kaliningrad – ehemals Königsberg – angekommen, begann die Suche, nach einem historischen Zentrum, was zunächst nicht ausfindig zu machen war, da wir keinen Stadtplan von dieser Stadt hatten. Ein Taxifahrer wurde befragt und dann fanden wir auch den Königsberger Dom. Da die Stadt Ende August 1944 schwer zerstört wurde und mehrere Tage brannte, war uns dann klar, dass eine schöne, zusammenhängende Altstadt fehlte. Da die Zeit mal wieder drängte und wir unbedingt heute Abend noch nach Polen einreisen wollten, blieben wir in Domnähe und aßen etwas in einem schönen Restaurant. Kurz danach rollte der MX-5, der fast überall Freude und Begeisterung oder vielleicht auch Mitleid hervorruft, Richtung polnischer Grenze und später Danzig, um zum zweiten Mal heute diese Abwicklungsprozedur mit viel Geduld zu erleben. Andere Grenze, andere Beamte und somit auch andere Verhaltensregeln gingen uns etwas auf die Nerven. Doch auch dies war nach gut einer Stunde überstanden. Auf dem Weg nach Danzig begann die Suche nach einem weiteren Platz zum „Wild Camping“, um dafür noch Punkte zu bekommen. Kurz vor Danzig bogen wir ab und fuhren irgendwann im Dunkeln auf einen Feldweg. Im schwachen Scheinwerferlicht haben wir dann das Zelt an einem Ort aufgebaut, den wir für geeignet hielten.

13. Tag: Raudsilla (Estland) – Tallinn – Riga (Lettland)

Tageskilometer: 520                 Kilometer ab Start: 7182

Wetter: super… Sonne und „Fotowolken“

Da die Party recht lange ging, schliefen wir auch etwas länger und bummelten danach die letzten Kilometer Richtung Tallinn. Das Frühstück gestaltete sich als Pizza in der Olympia-Marina von 1980. Diese wunderschöne Stadt lädt einfach zum Verweilen ein, jedoch hatten wir ja etwas Zeit aufzuholen, so dass nur ca. 1,5 Stunden vorerst reichen mussten. Nun wurde der Ort der heutigen Tagesaufgabe gesucht. Das Roadbook beschrieb diesen als ein früheres Gefängnis, dessen Ruinen jetzt in einem Badesee stehen. Grobe Richtung: 45 km südwestlich von Tallinn. Ein Tipp im Chat vereinfachte die Suche und auf schönen Nebenstraßen erreichten wir diesen recht schnell. Mit einem Geländewagen wäre die Zufahrt ein Leichtes gewesen, aber mit dem Mazda durch Löcher und große Pfützen zu fahren, war schon etwas anstrengend. Nun musste noch der Fotobeweis erbracht werden: Nehme ein Bad in dieser surrealen Umgebung! Also sprangen wir in den glasklaren See, der auch als Paradies für Taucher gilt. Unser nächstes Zwischenziel heißt Pärnu. Bis dahin fuhren wir über einfache Straßen durch schöne Landschaft und gepflegten Anwesen. Der „Landestausch“ stand auch noch an und so fuhren wir in die kleine Marina von Pärnu und kamen mit einer Dame ins Gespräch, der anscheinend auch das Armband aus St. Petersburg gefiel und ganz schnell bereit war, ihre neu erworbene Halskette herzugeben. Einige Kilometer später erreichten wir kurz vor Sonnenuntergang die Grenze zu Lettland. In Salacgriva am Fluss wurde das Fleisch,  welches kurz zuvor in einem „KONSUM“ erworben wurde,  auf den Grill gelegt. Damit hatten wir einen guten Fang, denn es war sehr lecker. Mitten in unseren Überlegungen, wo wir denn unseren Tausch in Lettland machen sollten, da wir nach Mitternacht durch Riga fahren werden, tauchten plötzlich zwei junge Damen auf, mit denen wir nach zähen Verhandlungen unsere neue Halskette gegen eine alte Sonnenbrille eintauschten. Ein sehr guter Tausch für die Damen und für uns aber die 10 Punkte. Als Riga immer näher kam, fing es langsam an zu regnen. Zeit also, das Dach zu schließen. Dann beschlossen wir, nach einer kleinen Stadtrundfahrt, doch noch ein paar Kilometer zu machen. Für einen Donnerstag und die Uhrzeit war die Altstadt von Riga erstaunlicherweise erfrischend belebt. Die richtige Ausfahrt zu finden und ohne dabei auf eine Autobahn zu kommen (ist ja verboten bzw. kostet Punkte) gestaltete sich etwas zeitintensiv. So verließen wir die Stadt und bogen dann doch recht bald von der Straße ab, um einen Übernachtungsplatz zu finden.

 

 

 

12. Tag: Sankt Petersburg – Raudsilla (Estland)

Tageskilometer: 364                 Kilometer ab Start: 6662

Wetter: wunderbar…

Der heutige Tag sollte einige Highlights bereithalten. Zunächst einmal bestes Wetter, so dass wir nach dem Auschecken noch eine Runde mit dem Auto durch das Zentrum fuhren und noch ein paar Fotos schossen. Nun hieß es aber, durch den dichten Stadtverkehr den Weg aus der City zu finden. Da unsere Russland-Karte sehr grob ist und wir vom Hotel nur einen Zentrumsplan hatten, war dies gar nicht so einfach, aber mit Kompass, Durchfragen und Instinkt haben wir die Landstrasse Richtung estnische Grenze gefunden. Gespannt darauf, wie lange der Grenzübertritt heute wohl dauern möge, trafen wir immer mehr Teams, die heute alle das gleiche Ziel hatten – die Party-Location Raudsilla. Die Tagesaufgabe bestand darin, diesen Ort zu finden. Aber erstmal musste die Prozedur an der Grenze erledigt werden. Als wir in Ivangorod ankamen, stand bereits eine lange Schlange an Autos und LKWs vor uns. Zum Glück werden diese getrennt behandelt. In Schüben von jeweils ca. 6 Autos, die direkt zur Kontrolle geleitet wurden, kamen wir dann auch irgendwann dran. Andere Teams hatten bereits berichtet, dass die Ausreise etwas schneller geht, da die Kontrollen angeblich nicht so streng seien. Hier wurde dann eine lange vorbereitete Sonderaufgabe erfüllt – Lass dein Auto von einem Grenzbeamten signieren. Dazu hatten wir uns vorher von einer Hotelangestellten auf Russisch den Satz: „geprüft von der Russischen Grenzkontrolle“ mit einem Edding auf eine der Boxen schreiben lassen, so dass wir nicht viel erklären mussten. Die erste Beamtin lehnte dies strikt ab, jedoch die Zweite lachte uns aus (oder an?) wegen des Autos und dieses Zeigen von Emotion haben wir dann ausgenutzt und ihr den Edding hingehalten. Signatur bekommen, aber ein Foto sollte nicht drin sein. Hinter der Brücke über die Narwa warteten dann die estnischen Beamten, die uns dann nach einer weiteren kurzen Kontrolle zurück in die EU ließen. Insgesamt hat der Aufenthalt an der Grenze zwei Stunden und zwanzig Minuten gedauert. Wir verließen die Fernstraße und bummelten über kleine Landstraßen zunächst direkt an der Küste Richtung Westen. Ein Zwischenstopp am Strand nutzten wir zum Essen und einen weiteren, um noch einen kleinen Wasserfall zu besichtigen. Gegen 20.00 Uhr kam der Roadster auf der schön gelegenen Partyanlage an. Diese war mit einem Tipp aus dem Roadbook recht einfach zu finden, was wohl auch so gewollt war. Viele Teams hatten sich schon eingerichtet und die Zelte aufgebaut. Einige von denen waren uns vorher noch nicht aufgefallen. Mit estnischem Buffet, Musik, Tanz und einem Saunabesuch wurde es eine gelungene Party.

11. Tag: St. Petersburg

Tageskilometer: 0                 Kilometer ab Start: 6298

Wetter: regnerisch und gegen Abend schön

Fast mal richtig ausgeschlafen und ausgiebig gefrühstückt wollten wir St. Petersburg erkunden. Das Auto blieb daher den ganzen Tag auf dem Hotelparkplatz und da wir auch nicht offen gefahren sind, stellte sich das Wetter zunächst darauf ein und zeigte sich mit Dauerregen. So zogen wir in Regenjacken durch diese äußerst interessante Stadt. Leider sind dies nicht die besten Voraussetzungen, um schöne Fotos zu machen. Am späten Nachmittag gingen wir dann zurück ins Hotel, um unsere Sachen zu trocknen und danach die Tagesaufgabe in Angriff zu nehmen. Es galt, einen bestimmten „Beachclub“ zu finden. Obwohl dieser nicht allzu weit weg war, beschlossen wir, für eine Station die Metro zu nehmen, um einmal mit diesen bekannten, sehr langen Rolltreppen in den Untergrund zu fahren. Der Beachclub war schnell gefunden und mit dem Passwort „Russian Viking“ wurde uns ein kleiner Zettel mit dem BSC-Logo überreicht. Dieser soll nun als Beweis ins Roadbook. Nach zwei Getränken und etwas Erfahrungsaustausch mit anderen Teams erkundeten wir weiter die Stadt. Um Mitternacht wurde ein Restaurant aufgesucht. Der netten Kellnerin Aida erzählten wir von unserer Aktion und konnten den „Grenztroll“ in ein Armband tauschen, von dem sie sich nun trennte. Die Stadt scheint die ganze Nacht über zu leben. Unzählige Fahrgastschiffe waren auf der Newa unterwegs. Die weißen Nächte von St. Petersburg mit den geöffneten Brücken sind definitiv ein Erlebnis.

10. Tag: Medweschegorsk – Sankt Petersburg

Tageskilometer: 655                 Kilometer ab Start: 6298

Wetter: ein Traum…

Heute scheint es ein warmer Tag zu werden. Unser heutiges Ziel – Sankt Petersburg –  wollen wir unbedingt erreichen. Der schöne Platz am See wurde verlassen und wir frühstückten an einer Tankstelle. Scheint uns nun wirklich das Pech an den Hacken zu kleben? Beim kurzen Check stellte sich heraus, dass auch die zweite Standlichtglühbirne defekt ist. Glücklicherweise wurden gestern gleich zwei erworben und damit war die Sache auch gleich erledigt. Ein kurzer Stopp in Petrosawodsk, der Hauptstadt von Karelien dehnte sich dann doch auf drei Stunden aus. Zunächst haben wir das Auto gewaschen, das uns nach über 5.000 km  für Sankt Petersburg nicht fein genug erschien. Wir fanden ein Hotel, deren Dame an der Rezeption uns freundlicherweise das W-LAN nutzen ließ. Dann haben wir dort auch gleich die regionale Küche probiert. Nach einer Runde durch die Stadt bei bestem Wetter genügte ein Blick auf die Uhr um festzustellen, dass es nun weitergehen sollte, denn es waren noch ca. 425 km bis zum heutigen Ziel. Landschaftlich wurde es etwas abwechslungsreicher als gestern. Auf den letzten 100 km gelangten wir in einen Baustellenstau, der uns über eine Stunde kostete. Unsere Russland-Karte zeigt nur einen sehr groben Überblick und eine weitere nur das direkte Zentrum von Sankt Petersburg und so fuhren wir im hektischen Verkehr südlich am Zentrum vorbei, ohne darauf einen wirklichen Anhaltspunkt zu finden. Kann ja mal passieren in einer 5-Millionen-Einwohner-Stadt. An einer Kreuzung fragten wir dann nach der groben Richtung und siehe da, irgendwann tauchte die erste Kirchkuppel vor uns auf und die City-Karte konnte auch genutzt werden. Auf die Punkte für das „Wild Camping“ wurde verzichtet, denn dank Internet wurde ein paar Stunden vorher ein Hotel mit Parkplatz in der Nähe vom Newski-Prospekt gebucht. Obwohl wir sehr müde waren und die Anreise sowie das Einchecken sich bis kurz nach Mitternacht hinzogen, gingen wir noch eine „Runde um den Block“ in dieser beeindruckenden Stadt.
Ein Blick auf den Tachostand zeigte uns, dass die gesamte Ostsee-Runde, wie vermutet, weit länger sein wird als die 7.500 Kilometer.

9. Tag: Kirkenes – Murmansk – Medweschegorsk (Russland)

Tageskilometer: 1067                 Kilometer ab Start: 5643

Wetter: anfangs Regen und kühl, später Sonne

Die Nacht war abermals ausgesprochen kurz, denn um kurz nach fünf klingelte der Wecker, da wir mit die ersten an der Grenze sein wollten, die um 7.00 Uhr öffnet. Mit frisch gewaschener Wäsche im Gepäck fuhren wir die ca. 17 km bis zur Grenze nach Russland. Dort warteten bereits einige wenige Teams und leider auch zwei Reisebusse mit russischen Seeleuten, die von einem Crewtausch auf dem Heimweg waren. Während der Grenzübertritt auf norwegischer Seite völlig unspektakulär war, sah es auf der anderen Seite schon anders aus. Das Ausfüllen der Formulare und das Warten hinter den Seeleuten nahm ca. eineinhalb Stunden in Anspruch, da sich Kontrolleure mit den Papieren sehr viel Zeit nahmen. Danach wurde das Auto gecheckt und es durfte nur der Fahrer dabei sein. Nach einer weiteren halben Stunden waren wir durch und nahmen Kurs auf Murmansk. Plötzlich war es nicht mehr 9.00 Uhr sonder schon 10.00 Uhr, denn mit Überfahren der Grenze wird auch die nächste Zeitzone erreicht. Weniger Kilometer später begann eine nicht enden zu wollende Baustelle und es ging langsam über Schotter weiter. In Murmansk galt es, den ersten Atomeisbrecher mit Namen „Lenin“ zu finden und wieder das obligatorische Foto zu machen. In Verbindung mit der Suche nach einem Internet-Zugang landeten wir in einem Shoppingcenter und Oli hat auch gleich sein bestehendes Schuhproblem gelöst. Leider funktionierte keines der Netzwerke. In der Stadt Murmansk haben wir  uns nicht lange aufgehalten, denn es gibt definitiv interessantere Städte. Obwohl wir recht müde waren, wurde beschlossen, so weit wie möglich Richtung Sankt Petersburg zu fahren. Geplant sind bis dahin drei Etappen, aber wir wollen unbedingt einen Tag früher im ehemaligen Leningrad sein. Die nahezu einzige Straße mit dem schier endlosen Asphaltband führt durch völlig abwechslungsfreie Landschaft, geprägt durch Mischwälder und den typischen Birken sowie vorbei an vielen Seen. Irgendwann fiel im Cockpit der Spruch: „Oh, eine Kurve!“ In Kandalakscha fuhren wir zum Tanken raus. Unterwegs lasen wir im Chat von den zahlreichen technischen Problemen der anderen Teams. Bei uns läuft es bisher problemlos, aber dennoch wollten wir auch endlich mal was reparieren müssen. Nach intensiver Suche stellte sich eine defekte Standlichtglühbirne zur Verfügung, die selbstverständlich umgehend ersetzt werden sollte. In den beiden angesteuerten Tankstellen wurden wir nicht fündig und fragten uns zum nächsten Autoteilehandel durch, welcher auch am Sonntag bis spät abends geöffnet hat. Mit gutem Gefühl und der Hoffnung, dass weiterhin alles hält, ging es mit Sonne im Rücken und offenem Verdeck weiter auf der E105 Richtung Süden. Als wir am Abend fast allein auf der Straße waren und sehr gut voran kamen, zeichnete sich der nächste Defekt ab. Nach der fünften Schleife, der angeblich besten Hits der 60er, schwirrten Gedanken von Aufgeben und Scheitern des Projekts durchs Cockpit. Die Kassette hatte sich verklemmt! Allein mit Bordmitteln ohne Hilfe durch das Werkstatt-Team gelang es uns in einer aufwendigen Operation, die Kassette aus dem Radio und uns von den 60ern zu befreien. Kurz nach Erreichen der über 1000 km, begann die Suche nach einem Campplatz. In Medweschegorsk wurde gegen 3.00 Uhr morgens eine schöne Stelle am See gefunden.

 

8. Tag: Olderfjord – Finnland – Kirkenes

Tageskilometer: 523                 Kilometer ab Start: 4576

Wetter: wechselhaft, aber meistens schön

Wenige Stunden nach Zeltaufbau klingelte der Wecker und unser nächstes Ziel hieß Kirkenes mit einem Umweg über Finnland, um den Ländertausch zu erledigen. So fuhren wir südlich Richtung Karasjok, um später bei Utsjoki über eine Grenzbrücke ins Land der tausend Seen zu gelangen. Aber erstmal was essen, bevor wir die Bevölkerung mit unserer Tauschproblematik belästigen. An einer weiteren Brücke stand eine blonde Frau mit ihrem Auto und nach kurzer Erklärung was wir machen und von ihr wollen, kam es zum geplanten Tausch. Der lieb gewonnene Regenschirm wechselte abermals den Besitzer und wir erhielten ein Moskitonetz. Die Dame war sehr freundlich wie eigentlich fast alle Menschen in Skandinavien. Zusammen mit ihren drei Kindern und ihrem Vater sowie einer Vielzahl von Tieren erfüllten wir die Sonderaufgabe „Little India“ – bringe viele Menschen und Tiere zusammen in dein Auto. Jetzt wartete noch die heutige Tagesaufgabe auf uns – Viking Timber Block. Dazu sollten wir uns mit so vielen Teams wie möglich treffen, um ein Feuer mit den Holzstücken zu entfachen, die in Hamburg an alle ausgeteilt wurden. Auf dem Campingplatz vor Kirkenes trafen sich dazu über 30 Teams. Danach hatten wir noch einen Anschlusstermin direkt in Kirkenes. Wir besuchten eine Exil-Stralsunderin und ihren Mann, die gemeinsam die Firma Barentssafari betreiben. Nicole ist eine unserer ersten Spenderinnen und egal wie das Roadbook ausgesehen hätte, wir wären auf jeden Fall hierher nach Kirkenes gefahren, um die Spende persönlich abzuholen. Gemeinsam mit Team 104 – Störti’s Erben, ebenfalls aus Stralsund – war das Gruppenfoto Pflicht. Nach einer Stadtrundfahrt und einem hervorragenden Abendessen bestehend aus scharfer Thaisuppe und gefühlt einer ganzen Königskrabbe schliefen wir mal wieder in einem richtigen Bett. Vorher wurde noch das finnische Moskitonetz in einen „Grenztroll“ umgetauscht und Hans hat sich dazu hinreißen lassen, den „Fiddler on the roof“ zu geben. Dabei sollte jemand mit einem Instrument, der auf deinem Autodach spielt, gefunden werden. Damit ist auch unsere gleichnamige Sonderaufgabe erfüllt. Morgen früh soll es zeitig zur russischen Grenze gehen in der Hoffnung, dass die Grenzkontrolle nicht zu lange dauert.

Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial